Übersehene Sehenswürdigkeiten. Deutsche Orte.

Overlooked Sights. German Places.

Roadbook. Michaela Vieser. Reto Wettach.

0

Bestellung / Order
 

Ein Ritter Kahlbutz, der nicht verwest, ein Lügenmuseum, das den Staub des Alltags von den Sternen wäscht und 65 weitere übersehene Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Ein reich-
illustriertes, zweisprachiges Roadbook zu unbekannten oder vergessenen Orten.
216 Seiten, farbig, zweisprachig: deutsch/englisch
Preis: 24,90 €


 

Kahlbutz the Knight, whose body has never decayed, a Museum of Lies, which wipes the dust of the ordinary away from the stars, and 65 other overlooked sights in Germany. A richly illustrated bilingual roadbook to unknown and forgotten places in Germany.
216 pages, colour, bilingual: German/English
Price: 24,90 €


Vorworte / Introductions        Die Autoren / The authors        Termine / Timetable

Vorworte:

 

Introductions:

Tsuzuki Kyoichi:

 

In Japan, when students start their studies at the university, they will generally choose between two languages: French and German. We like to say that the character of a student is clearly shown in their choice of language. Well, those of the German fraction are considered to be serious minded, of conservative nature, and of unrefined taste.

When it comes to traveling, we Japanese are about as bad as the Germans. Paris and Rome are favorites among young Japanese, whereas the Grandpas and Grandmas of Japan prefer places in Southern Germany and the Black Forrest. If a Japanese person is asked what his idea of Germany is, he will most likely answer: Mercedes Benz, BMW, beer, soccer, classical music, the Romantic Road and Neuschwanstein. I often wonder what kind of image other Europeans have of Germany.


Entscheidet sich in Japan ein junger Mensch während seiner Universitätszeit für eine neue Sprache, so wählt er meist zwischen der französischen oder der deutschen. Je nachdem welche der beiden Sprachen dieser junge Mensch dann wählt, erlauben wir uns, seinen Charakter einzustufen: gehört er der deutschen Fraktion an, so glauben wir zu wissen, er sei ernsthaft, habe eine konservative Weltanschauung und leide generell unter schlechtem Geschmack.

Wir Japaner stehen den Deutschen im Reisen um nichts nach. Die jungen Japaner gehen gerne nach Rom und Paris, während sich die japanischen Großväterchen und Großmütterchen auf Süddeutschland und den Schwarzwald stürzen. Fragt man einen Japaner, was er mit Deutschland assoziiert, so fallen bestimmt folgende Begriffe: Mercedes Benz, BMW, Bier, Fußball, klassische Musik, die Romantische Straße und Neuschwanstein. Ich habe mich oft gefragt, an was die anderen Europäer bei Deutschland denken.


 

Egal welche Grundwerte eine Gesellschaft hat, es wird immer ein Interesse an den Menschen, die "anders" sind, geben. Die Engländer lieben zum Beispiel exzentrische Menschen, auch wenn dieser Charakterzug nur minimal ausgeprägt sein sollte. Ein Engländer denkt sich: "Bin nicht auch ich selbst ein wenig exzentrisch?" Bei den Franzosen ist diese Liebe für das "andersgeartete" nicht weniger populär. Nur ist der Hintergedanke hier:" Wenn ich mich mit dieser exzentrischen Person vergleiche, finde ich mich zum Glück ziemlich normal." Auch in Deutschland gibt es viele Menschen, die kein Leben nach Norm leben. Sollte es daher nicht auch ein großes Interesse von Seiten der anderen Europäer, aber auch der Deutschen selbst geben, diese Kultur zu entdecken? Bisher habe ich nie eine Antwort auf diese Frage erhalten, aber ich denke, dass dieses Buch ein Schlüssel zu diesem Rätsels ist.


 

No matter what a society is about, there will always be an interest in places or people that are different. The English, for example, love people for their eccentricities, however slight these may be. An English person thinks: "After all, I am somewhat eccentric." In France this love for "eccentrics" can be found to no lesser degree, only that there, the thought behind it is: "when I compare myself to these eccentrics, I find myself to be quite normal." Germany is also full of people who choose to live eccentric lives. Should there not be a keen interest on the part of Europeans, as well as the Germans themselves, to find out about this culture? I have not been able to figure out why this is not the case, but I am happy that this book will be a key in solving this riddle.


 
top

Michaela Vieser und Reto Wettach:

Serendipity: The Art of Drifting

Serendipity ist ein englisches Kunstwort, das der Briefeschreiber Horace Walpole (1754) erfunden hat. Es beschreibt die Kunst und das Vergnügen, etwas zu finden, das man nicht gesucht hat.Oder, wie es Julius H. Comroe, ein biomedizinischer Forscher ausdrückte:


 

Serendipity is a made up word that was invented by the British letter-writer, Horace Walpole (1754). It describes the art and joy of discovering something which you did not set out to find. Or, as Biomedical Researcher Julius H. Comroe put it:


 

Serendipity bedeutet nach der Nadel im Heuhaufen zu suchen und anstattdessen die Tochter des Bauern zu finden.


 

Serendipity is looking for a needle in a haystack and finding the Farmer's Daughter.


 

Sechs Monate lang waren wir im VW-Bus unterwegs in Deutschland, auf der Suche nach "übersehenen Sehenswürdigkeiten". Wir suchten die unbekannten oder vergessenen Orte, Orte fernab von den 08/15 Reiseführertips, Orte mit Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden. Unsere Vorab-Recherche war weder im Internet noch in der Literatur erfolgreich: Die Orte, die wir suchten, konnten nur unterwegs entdeckt werden. Wir assen in Landgasthöfen, besuchten lokale Architekten, hakten nach immer mit derselben Frage: "gibt es hier einen besonderen Ort, das man nur hier kennt?" Wenn wir so einen Ort gefunden hatten, konnten wir ihn bei der weiteren Suche als Beispiel angeben. Das half. So führte uns eine übersehene Sehenswürdigkeit zur nächsten. Die 67 besten sind hier in diesem Buch zusammengefasst. Viel Spaß beim Entdecken.


 

On the road in Germany for six months in a VW-Bus, in search of "overlooked sights," we were hunting for unknown or forgotten places, far from the beaten old travel-guide path - places with stories worth telling. Our preparatory research was not able to be done on the internet or taken from books: The places which we were searching for could only be found on the road. We ate at country-side inns, visited local architects, and nosed around persistently, always with the same question: "Is there anything special around here...something that only people from around here know about?" After finding such places, we were then able to use them as examples on our quest for the next. That helped. In this way, one overlooked sight led us to the next. The best 67 of these are collected here in this book. Have a great time discovering.


 
top

Ralph Anderl:

Um Etwas genauer zu sehen, kann es hilfreich sein, eine zeitlang wegzuschauen. Einen Gegenstand aus den Augen verlieren, um Details zu erkennen.

Etwas immer vor Augen haben, macht es unsichtbar. Anstarren führt zum Übersehen. Wahrnehmung wird Nicht-mehr-Wahrnehmung.


 

In order to see something better, it can be helpful to look away for a while. To lose sight of something, so that you can see the details more clearly.

Always having a thing in front of you makes it invisible. Staring leads to overlooking. Perception turns into non-perception.


 

Robert Musil formuliert diesen Sachverhalt: "Alles Beständige büßt seine Eindruckskraft ein. Alles, was die Wände unseres Lebens bildet, sozusagen die Kulisse unseres Bewußtseins, verliert die Fähigkeit, in diesem Bewußtsein eine Rolle zu spielen. Ein lästiges Geräusch hören wir nach einigen Stunden nicht mehr. Bilder, die wir an die Wand hängen, werden binnen wenigen Tagen von der Wand aufgesogen; es kommt äußerst selten vor, daß man sich vor sie hinstellt und sie betrachtet."


 

Robert Musil put it in this way: "Everything stable forfeits its power to impress. Everything that makes up the walls of our lives, the curtains of our consciousness in a way, loses its ability to play a role in this consciousness. An annoying sound ceases to bother us after a few hours. Pictures which are hung on a wall become completely absorbed by it within a few days; it is very seldom that one positions themselves in front of one of them in order to study it."


 

Diesen Sachverhalt haben Mic Vieser und Reto Wettach in einer Art Selbstversuch überprüft. Beide lebten einige Jahre jenseits der großen Ozeane in den USA und Japan. Nach ihrer Rückkehr machten sie eine Reise durch Deutschland. Mit hungrigen Augen erblickten sie das bisher Übersehene. Orte, die im Alltag unsichtbar werden, wenn man sie immer vor Augen hat.

...und sollte man zum Abschluss diese Vorwortes auch noch diesen Friedrich Nietzsche zitieren?:"Ein Buch, wie dieses, ist nicht zum Durchlesen und Vorlesen, sondern zum Aufschlagen, namentlich im Spazierengehen und auf Reisen, man muss den Kopf hinein- und immer wieder hinausstecken können und nichts Gewohntes um sich finden."


 

Mic Vieser and Reto Wettach have tested this principle in a kind of self-experiment. Both of them lived for a number of years on the other sides of the great oceans, in the USA and in Japan. After returning back, they decided to embark on a journey throughout Germany. With hungry eyes, they caught sight of the hitherto overlooked. Places which in everyday life become invisible, when you always have them in front of you.

...and, in closing, would it not be fitting to quote that good old Friedrich Nietzsche?:"A book such as this one is not made for reading through from front to back, or reading out, but is to be opened up, especially while taking a walk and while traveling; you have to be able to keep sticking your head in it and taking it out again, no longer recognizing anything around you."


top

Die Autoren:

 

The authors:

Michaela Vieser

 

Reto Wettach

Mic Vieser studierte Japanologie und orientalische Kunstgeschichte an der SOAS in London. Sie lebte ein Jahr lang in einem japanischen Kloster, forschte über die Bergasketen in Japan und zog dann nach Tokyo, wo sie vier Jahre lang als freie Journalistin, Trendscout und Produzentin arbeitete. Heute lebt sie wieder in Deutschland und schreibt Sachbücher.


 

Reto Wettach hat eine traditionelle deutsche Steinmetzlehre hinter sich und studierte dann Industriedesign an der UDK Berlin. Er arbeitete fünf Jahre lang als als Interface Designer in San Francisco und Tokyo. Heute ist er Professor für Interaction Design.

Mic Vieser studied Japanese and Oriental Art History at SOAS in London. She lived for one year in a Japanese monastery, did studies on the customs of Japan's mountain ascetics and then moved to Tokyo, where she worked for five years as free-lance journalist, trend scout, and producer. She now lives in Germany and is working on a number of books.


 

After having completed his traditional German training as a stonemason, Reto Wettach then went on to study Industrial Design at the UDK in Berlin. He has lived for five years in San Francisco and Tokyo, working as an Interface Designer, and is now a Professor of Interaction Design.


www.driftingfriends.de
top